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7. Zukunftsaussichten
Ist ein holländisches Drogenmodell auch in Deutschland denkbar ?
Vermutlich nicht !
Sollte es bei den Bundestagswahlen 1998 nicht zu einer großen,
sondern zu einer rot-grünen Koalition kommen, so kann man davon ausgehen,
daß das Betäubungsmittelgesetz liberalisiert wird. Die SPD setzt sich
für die Abgabe von Heroin unter ärztlicher Aufsicht, Fixerstuben,
sowie für die Straffreiheit von geringen Mengen Cannabis zum Eigenbedarf
ein. Sie folgt dabei dem Modell der Schweiz, wo sich die kontrollierte Abgabe
von Heroin an Schwerstabhängige und die Einrichtung von Fixerstuben
bewährt hat. Am Weltdrogentag (26.6.97) erklärte Johannes Singer,
drogenpolitischer Sprecher der SPD: "Die Drogenpolitik der Bundesregierung ist
gescheitert". Eine Legalisierung und der freie Verkauf von Drogen, wie es in
Holland in Coffee- Shops praktiziert wird, lehnt die SPD jedoch strikt ab. Es
soll nur der Besitz zum Eigenverbrauch straffrei sein, der Handel jedoch
weiterhin verfolgt werden. Die Grünen14 hingegen möchten
das Betäubungsmittelgesetz noch radikaler ändern. Eine Freigabe nach
dem holländischen Modell ist für sie selbstverständlich. Die
Grünen gehen dabei von einer Trennung der Märkte aus, was dazu
führen würde, daß Cannabiskonsumenten ihre Droge nicht mehr bei
Dealern kaufen müßten, die auch harte Drogen wie Heroin im Angebot
haben. Auf diese Weise kämen Cannabiskonsumenten gar nicht mehr in Kontakt
zu harten Drogen. Gleichzeitig könnten sich die Ordnungskräfte auf die
Verfolgung des organisierten Verbrechens konzentrieren, da keine Ressourcen mehr
zur Bekämpfung von Kiffern notwendig wären. Im Bereich Ecstasy
möchten die Grünen zwar keine Freigabe, aber eine Straffreiheit
erzielen, um die Konsumenten im sozialen Umfeld zu integrieren und vor Strafe zu
schützen. Bei einer Liberalisierung der illegalen Drogen versuchen die
Grünen gleichzeitig, die legalen Drogen einzudämmen. Sie fordern ein
absolutes Werbeverbot für Alkohol und Tabak sowie für Haschisch. Der
Verkauf dieser Substanzen an Jugendliche unter 16 Jahren soll grundsätzlich
strafbar sein. Die erfolglosen Versuche der Grünen sind die beiden
Anträge "Humanisierung der Drogenpolitik – Heroinverschreibung" und
"Humanisierung der Drogenpolitik . Legalisierung von Cannabis",
sowie der Gesetzentwurf "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des
Betäubungsmittelgesetzes – Rückzugsräume". Eine gewisse
Liberalisierung wäre bei einer neuen Regierung unter Führung der SPD
ab 98 also allemal denkbar. Anders sieht es bei einer Wiederwahl der Union aus.
Die CDU/CSU14 lehnt jegliche Liberalisierung des
Betäubungsmittelgesetzes strikt ab. Peter Gauweiler bezeichnete Fixerstuben
in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 5.8.97 als makabere
Menschenversuche Auch die Zwangseinweisung in die Therapie ist für die CSU
denkbar. Auch wenn die Konsumenten gar keiner Therapie bedürfen sollen sie,
wenn es nach der CSU geht, zwangsweise therapiert werden. Helmut Kohl sagte am
18.08.92: "Unser Ziel muß eine Gesellschaft sein, die den Rausch einmal
genauso ächtet wie den Kanibalismus."14 Mit dieser Einstellung
wird es in der Union allerdings zu Schwierigkeiten mit der FDP14
kommen. Die FDP vertritt immer mehr eine Liberalisierung der Drogenpolitik. Auch
sie folgt dem Modell der Schweiz. Nach einem Erfolg des Versuchs der
kontrollierten Heroinabgabe in der Schweiz fordert die FDP eine Korrektur der
deutschen Drogenpolitik. "Diese Drogenpolitik hat weder den Anstieg der
Drogentoten, noch der Erstkonsumenten harter Drogen verhindern können. Es
müssen deshalb neue Wege gegangen werden." (Sabine
Leutheusser-Schnarrenberger, MdB, drogenpolitische Sprecherin der FDP-
Bundestagsfraktion am 2.10.97). Die FDP kündigte kürzlich in der
Berliner Zeitung an, sie werde versuchen, gegen den Widerstand der Union eine
Reform der Drogenpolitik zu verwirklichen, notfalls mit einem Bruch der
Koalition. Für die Zukunft bleibt also eine grundsätzliche
Liberalisierung der Drogenpolitik zu erwarten, vorausgesetzt die CDU/CSU
erhält keine absolute Mehrheit im Bundestag. Wie weit diese Liberalisierung
geht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Eine Freigabe von Cannabis
in Apotheken oder Coffee- Shops ist nahezu auszuschließen, und eventuell
nur in begrenzten Feldversuchen denkbar. Eine Abgabe von Heroin an Süchtige
nach dem Schweizer Modell ist jedoch sehr wahrscheinlich, selbst wenn die Union
mit der FDP eine Mehrheit erreicht, da die FDP in der Drogenfrage eine
völlig andere Position als die Union vertritt. Bei einer rot-grünen
Mehrheit ist eine Heroinabgabe an Süchtige nahezu sicher, ebenso wie die
Straffreiheit des Besitzes von Drogen zum Eigenbedarf. Am 1.2.98 wird allerdings
das Betäubungsmittelgesetz erneut geändert und somit für
Konsumenten weicher Drogen verschärft, und für Konsumenten harter
Drogen liberalisiert. Nach Zustimmung des Bundesrates am 18.12.97 und
Beschluß der Bundesregierung am 19.1.98 ist der Besitz von Hanfsamen ab
1.2.98 verboten. Die Samen dürfen dann nicht - wie bisher - von jedermann
besessen und nur nicht eingepflanzt werden, sondern nur noch von Landwirten mit
EU- Lizenz besessen werden. Gleichzeitig wurde die Substitution von
Heroinabhängigen durch eine Legalisierung eines neuen
Methadon-Präparates erleichtert.
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