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1.1 Die Veränderung bei Drogendelikten von 1994
–1997
Im Zusammenhang mit Drogendelikten kann man in den letzten Jahren eine
starke Zunahme des Drogenkonsums beobachten. 1993 stellte das BKA noch 109 kg
Amphetaminderivate (Ecstasy) sicher, während sich diese Menge 1994 schon
auf 120 kg erhöhte. Auch die sichergestellte Menge an LSD erhöhte sich
von 23.442 Trips 1993 auf 29.627 Trips 1994. Allein im ersten Halbjahr 1995
wurden daraufhin schon 17.427 Trips im Vergleich zu 10.440 1994 sichergestellt.
Diese dramatische Zunahme ist vor allem auf den Konsum psychotroper Substanzen
in der Techno – Szene zurückzuführen. Der Einstieg in die harte
Drogenszene erfolgt heutzutage nicht mehr unbedingt über Heroin, sondern
mehr und mehr über Amphetaminderivate und Kokain. Die sichergestellte
Kokainmenge im ersten Halbjahr 1995 hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als
verdoppelt (1994: 299 kg; 1995: 849 kg) Die Gesamtzahl der EkhD(Erstkonsumenten
harter Drogen) stieg 1996 um 12,9%3. Die Verteilungen der EkhD sind
1996 für Kokain 19,3%3, Amphetamine 19,8%3 Ecstasy
17,8%3, LSD mit 5,9%3 sowie 0,7% sonstige Drogen wie
Meskalin oder PCP. Beim Heroin ist generell ein Trend nach unten zu
beobachten. 1992 lag der Anteil der Erstkonsumenten, die Heroin spritzten, noch
bei 70%, 1994 nur noch bei 53,3%2, 1995 bei 39,6%3 und
1996 nur noch bei 36,5%3. Dies ist in erster Linie auf die
Verelendung der Heroingeneration, sowie den neuen Markt von Designerdrogen und
Kokain zurückzuführen2. Obwohl die sichergestellte Menge
von Heroin um 3,8% sank, stieg die Zahl der erstauffälligen Fixer 1996
wieder um 6,5%, während sie 1995 gesunken war. Da die Gesamtzahl der EkhD
jedoch gestiegen ist, ist der Anteil von Heroin gesunken. Im allgemeinen kann
man feststellen, daß bei den Erstkonsumenten harter Drogen Kokain und
Heroin an Bedeutung verlieren, während die Zahl der sichergestellten Mengen
Amphetamine, Ecstasy und LSD stetig ansteigt. Auch die sichergestellten Mengen
von Heroin und Kokain nahmen von 1995 auf 1996 ab. So wurden 1995 noch
933,4kg3 Heroin sichergestellt im Gegensatz zu 898,2kg3
1996. Auch die Kokainmenge ging von 1.845,8 kg3 1995 auf 1.373,1
kg3 1996 zurück, obwohl sie sich im Vorjahr fast verdoppelte.
Bei diesen Drogen ist mittlerweile ein Rückgang zu beobachten. Als Ursache
nennt das BKA bei Kokain hierfür jedoch das Ausbleiben großer
Sicherstellungen in deutschen Seehäfen. Bei synthetischen Designerdrogen
ist die Zunahme noch viel dramatischer. Die sichergestellte Ecstasy- Menge hat
sich von 380.8583 Konsumeinheiten auf 692.397 19963 fast
verdoppelt und auch bei Amphetaminen ist ein ähnlicher Trend zu erkennen.
Lediglich die sichergestellte LSD-Menge ist geringfügig gesunken, was
jedoch keinen Rückgang des Konsums beweist, sondern nur die Tatsache,
daß der Konsum nicht sehr stark gestiegen ist.
Völlig anders ist die Situation bei weichen Drogen: Sowohl bei
Haschisch, wie auch bei Marihuana gingen die sichergestellten Mengen
geringfügig zurück. Die Anzahl der sichergestellten Pflanzen hat sich
jedoch von 11.151 Stück auf 53.1793 Stück nahezu
verfünffacht. Anders sah die Situation in den Jahren 1994 und 1995 aus. So
wurden im ersten Halbjahr 1995 7,3t Marihuana sichergestellt, während es im
ersten Halbjahr 1994 nur 253 kg2 waren. Auch die sichergestellte
Haschisch- Menge hat sich von 1.885 kg auf 3.002 kg2 im ersten
Halbjahr 1995 drastisch erhöht. Als Ursache hierfür nennt der
Drogenbeauftragte der Bundesregierung Eduard Lintner (CSU) die
"Verharmlosungsdiskussion", die durch das Lübecker Urteil im Frühjahr
1994 verursacht wurde. Aufgrund dieser Zahlen läßt sich als Folge des
Urteils des Verfassungsgerichts ein starker Anstieg des Cannabiskonsums
beobachten, der 1996 jedoch wieder abflaute und nicht mehr weiter ansteigt. Eine
ähnliche Entwicklung war in Holland nach der Freigabe von Cannabisprodukten
zu beobachten, jedoch sank die Zahl der Konsumenten in den folgenden Jahren
wieder. Eine ähnliche Entwicklung dürfte bei Cannabis auch für
Deutschland für die nächsten Jahre zu erwarten sein. Im Bereich der
harten Drogen läßt sich ein leichter Rückgang des Kokainkonsums
sowie ein stärkerer Rückgang des Heroinkonsums beobachten. Der Markt
von Designerdrogen, wie Ecstasy und Amphetaminen vergrößert sich
jedoch explosionsartig. Die Zahl der EkhD bei diesen Drogen stieg bei
Amphetaminen um 29,1%, bei Ecstasy um 52,2% und bei LSD um 54,3%. Wenn man bei
diesen Beobachtungen nun nach Bundesländern differenziert, erkennt man in
Hamburg, Niedersachsen, Hessen und Bayern einen Rückgang zwischen 8 und
22%, während in Schleswig Holstein, Baden-Württemberg und den neuen
Bundesländern die Zahl um bis zu 156,6% anstieg. Hierbei läßt
sich jedoch kein Zusammenhang zwischen Anzahl der Auffälligen und der
gängigen Verfolgungspraxis erkennen, da beispielsweise in Bayern mit einer
harten Linie der Konsum zurückging, während er in
Baden-Württemberg mit einer sehr ähnlichen Drogenpolitik massiv stieg.
Bei einer liberalen Drogenpolitik in Schleswig-Holstein hingegen stieg der
Konsum ebenfalls sehr stark, während er in Hamburg bei einer ebenso
liberalen Drogenpolitik sank. Betrachtet man die Rauschgifttoten, so ist 1996
erstmals wieder ein Anstieg um 9,4% zu beobachten. Dies ist wohl auch auf den
erneuten leichten Anstieg des Heroinmißbrauchs, sowie den starken Anstieg
der Designerdrogen zurückzuführen. Die Gesamtzahl der Rauschgifttoten
lag 1996 bei 1.712. Hier erkennt man einen Rückgang in den liberal
geführten Ländern und in Baden-Württemberg , jedoch eine
Verdoppelung in Berlin. Die Anzahl der Todesfälle durch
Ecstasymißbrauch stieg um 2 auf 20 an.
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